Abschreibung


Abschreibung
I. Begriff:1. A. i.e.S.: Betrag bzw. Methode zur Ermittlung des Betrages, der bei Gegenständen des  Anlagevermögens die im Laufe der Nutzungsdauer durch Nutzung eingetretenen Wertminderungen an den einzelnen Vermögensgegenständen erfassen soll und der dementsprechend in der  Gewinn- und Verlustrechnung als Aufwand (bzw. in der Kostenrechnung als Kosten) angesetzt wird. Die Abschreibungsfähigkeit bezog sich im ursprünglichen Sinn nur auf abnutzbare Gegenstände des Anlagevermögens, die sowohl materieller wie immaterieller Art (z.B. Lizenzen, Patente, Konzessionen) sein können. Die aktivierten Anschaffungs- oder Herstellungskosten (nach deutschem Recht) werden entsprechend der voraussichtlichen betrieblichen Nutzungsdauer jedes Jahr um einen bestimmten Teilbetrag zur Erfassung des in der Rechnungsperiode an dem einzelnen Vermögensgegenstand eingetretenen Werteverzehr gekürzt.
- 2. A. i.w.S.: Von A. wird heute auch dann gesprochen, wenn die unterschiedlichen vorgeschriebenen oder möglichen Verfahren zur Abwertung (einschließlich Bewertungskorrekturen) von Vermögensgegenständen des Anlage- und Umlaufvermögens (vgl. §§ 253, 254 HGB) sowie von  Bilanzierungshilfen gemeint sind. Mit A. i.w.S. wird nicht nur der betrieblich bedingte Leistungsverzehr während einer Rechnungsperiode an einem Vermögensgegenstand des Anlagevermögens erfasst, sondern auch die sich aus sonstigen Abwertungsgeboten und Abwertungswahlrechten ergebenden Wertminderungen.
- 3. Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung: Wertminderung des Anlagevermögens während einer Periode durch normalen Verschleiß und wirtschaftliches Veralten. Abgeschrieben wird linear zu Wiederbeschaffungspreisen.
II. Abschreibungsursachen (Abschreibungsgründe):1. Technische Ursachen können in gewöhnlichem Verschleiß (Gebrauchs- oder Ruheverschleiß, Abbau) oder in außergewöhnlichem Verschleiß (Katastrophenverschleiß) liegen.
- 2. Als wirtschaftliche Ursachen kommen in Frage Nachfrageverschiebungen und Fehlinvestitionen (in beiden Fällen ist der technisch noch vorhandene Leistungsvorrat der Anlage wirtschaftlich nicht mehr voll verwertbar) sowie Ineffizienz (bedingt durch gesunkene Wiederbeschaffungskosten, technischen Fortschritt oder Umsatzrückgang der mit der Anlage erstellten Leistungen infolge Modeänderungen).
- 3. Rechtliche Ursachen können auf der Entwertung durch gesetzgeberische Maßnahmen, auf dem zeitlichen Ablauf von Verträgen (Miet-, Pacht-, Leasing-, Franchisevertrag) oder Schutzrechten (Konzessionen, Patente, Lizenzen, Musterschutz) beruhen.
III. Abschreibungsarten:1. Bilanzielle A.: a) Handelsrecht: (1) Planmäßige A.: Planmäßige, d.h. im Voraus festgelegte A. sind grundsätzlich für abnutzbare Anlagevermögensgegenstände festzulegen (ausnahmsweise Vereinfachungen: Z.B.  geringwertige Wirtschaftsgüter, Festbewertung ( Festwert),  Gruppenbewertung; i.w.S. sind auch die A. auf  Bilanzierungshilfen planmäßige A.). Es ist gemäß § 253 II HGB ein Abschreibungsplan zu erstellen, der die Anschaffungs- oder Herstellungskosten je Vermögensgegenstand – evtl. vermindert um einen Schrotterlös – als Bemessungsgrundlage der A., die voraussichtliche Nutzungsdauer (zugleich Verteilungszeitraum für die Anschaffungs- oder Herstellungskosten) und die Abschreibungsmethode (Verteilungsverfahren) bestimmt. Änderungen des Abschreibungsplans sind Ausnahmen vom Grundsatz der Bewertungsstetigkeit (§ 252 I Nr. 6 HGB) und nur begründet zulässig ( Bewertung).
- (2) Außerplanmäßige A.: Sie sind unter den Voraussetzungen des  Niederstwertprinzips bei allen Vermögensgegenständen möglich oder geboten. Handelsrechtlich können auch die steuerlich zulässigen A. vorgenommen werden, bei Kapitalgesellschaften nur bei Maßgeblichkeit (§§ 254, 279 II HGB, vgl.  Steuerbilanz). Fallen die Gründe für eine außerplanmäßige A. weg, so gilt für Nichtkapitalgesellschaften das Beibehaltungswahlrecht (Zuschreibungswahlrecht). Für Kapitalgesellschaften gilt das  Wertaufholungsgebot (§ 280 II HGB läuft seit dem Steuerentlastungsgesetz 1999/2000/2002 ins Leere;  Bewertung).
- b) Steuerrecht: Unter A. subsumiert das Steuerrecht sechs Unterarten:  Absetzung für Abnutzung (AfA) und  Absetzung für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung (AfaA),  Absetzung für Substanzverringerung (AfS),  erhöhte Absetzungen, Sofortabschreibung für  geringwertige Wirtschaftsgüter,  Sonderabschreibungen und  Teilwertabschreibungen.
– (2.) Kalkulatorische A.: A.-Art der Kostenrechnung, wobei entsprechend dem Ziel der Substanzerhaltung des Unternehmens i.d.R. die Wiederbeschaffungskosten des Bewertungsstichtags als Bemessungsgrundlage dienen. Aufgrund steigender oder sinkender Wiederbeschaffungskosten stimmen die „Gesamtabschreibung“ in der Bilanz und in der Kostenrechnung nicht überein.
- Vgl. auch  kalkulatorische Abschreibung.
IV. Abschreibungsmethoden:1. Lineare A.: Die lineare A. verteilt die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten (AHK) gegebenenfalls abzüglich Resterlös (RE) gleichmäßig auf die voraussichtlichen Nutzungsjahre (n). Die Abschreibungsrate (R) ergibt sich wie folgt:
2. Degressive A.: Die degressive A. verteilt die entsprechenden Beträge in fallenden Raten; dabei ist entweder die Differenz der Abschreibungsraten (arithmetisch degressive A.) oder der Abschreibungsprozentsatz (geometrisch degressive A.) konstant.
- a) Arithmetisch degressive A.: Ist der Differenzbetrag der Abschreibungsraten mit der Abschreibungsrate im letzten Jahr identisch, so wird diese A. auch als digitale A. bezeichnet. Es ist zunächst die Summe (Sn) der Nutzungsjahre mithilfe der Summenformel für die arithmetische Reihe zu bilden (a = Anfangsglied der Reihe, e = Endglied der Reihe):Sn = (n / 2) · (a + e) = (6 / 2) · (1 + 6) = 21.Die Abschreibungsraten, der Abschreibungsfaktor
und der Buchwert (BW) in den einzelnen Jahren werden in Tabelle 1 dargestellt.
Die Abschreibungsrate (R) in Euro beträgt dann für ein beliebiges Jahr j (z.B. das 4.) der Nutzungsdauer
Der Buchwert am Ende eines beliebigen Jahres (z.B. des 5.) beträgt dann
b) Geometrisch degressive Afa: Bei der g.d.A. wird die Rate mit einem konstanten Prozentsatz (z.B. p=50) vom jeweils verbleibenden Restwert ermittelt (deshalb auch Buchwertabschreibung).
- Vgl. „Abschreibung – Tabelle 2“.
Die Abschreibungsrate für ein beliebiges Jahr j (z.B. das vierte) beträgt dann für den Abschreibungssatz i = p/100 (z.B. 0,5)Rj = (AHK – RE) · (1–i)j-1 · i
= 210.000 · 0,53 · 0,5 = 13.125.Der Buchwert für ein beliebiges Jahr (z.B. j = 5) beträgtBWj = (AHK – RE) · (1 – i)j
= 210.000 · 0,55 + 5.000 = 11.562,5.Wie aus der Tabelle ersichtlich, führt die geometrisch degressive A. nicht zu einer Vollabschreibung. Um im Beispiel eine A. auf den Resterlös zu erreichen, müsste der Abschreibungsprozentsatz verändert werden und von den AHK ausgehend berechnet werden:
Diese Möglichkeit entfällt, wenn RE = 0 (da dann p näherungsweise 100 ergäbe). Ein anderer Weg, den auch die Steuer (unter einschränkenden Bedingungen, vgl. § 7 II EStG) zulässt, ist der Übergang von der degressiven auf die lineare A., sobald die lineare A. auf den Restwert der Abschreibungssumme (geteilt durch Restnutzungsdauer Rn) höher als die degressive A. wäre. Tabelle 3 zeigt die Ermittlung der steuerlichen Afa.
– In unserem Beispiel wäre der steuerlich maximal mögliche Abschreibungsprozentsatz 20, denn maximal zulässig ist das Doppelte der linearen Abschreibung, höchstens jedoch 20 Prozent (Bei sechsjähriger Nutzungsdauer, d.h. linear jährlich 16,67 Prozent, ergibt 2 · 16,67 Prozent = 33,34 Prozent, greift also das zweite Kriterium: Maximal 20 Prozent). Abschreibungsbasis sei AHK bzw. BW abzüglich RE.
- 3. Progressive A.: Die progressive A. ist eine Umkehrung der Ratenfolge der degressiven. Bei arithmetisch progressiver A. ergäben die steigenden Raten also die in Tabelle 4 dargestellten Buchwerte. Entsprechend wäre bei der geometrisch progressiven A. zu verfahren.
– Diese Verfahren werden selten angewendet, steuerlich sind sie unzulässig (Ansteigende Abschreibungsbeträge sind in der Steuerbilanz jedoch bei der nachfolgend beschriebenen Leistungsabschreibung möglich).
- 4. Leistungsabschreibung:
Bei der Leistungsabschreibung ist das Leistungsvolumen (LV), die Summe der Leistungseinheiten (LE) zu schätzen und R pro LE zu ermitteln. Die jährliche A. ergibt sich dann durch Multiplikation der Afa/LE mit der verbrauchten Leistungsmenge.
- Handelte es sich bei den bisher verwendeten Daten z.B. um einen Lkw, dessen Fahrleistungen insgesamt auf 300.000 km geschätzt werden (vgl. „Abschreibung – Tabelle 5“), dann ergäbe sich:
5. A. nach dem Substanzwert:
In Abbaubetrieben (Erz- und Kohlebergwerken, Torfwerken, Kiesgruben) kommt als Verfahren zur Ermittlung des A.-Betrages die Substanzabschreibung in Frage.
- Zu schätzen ist das Volumen (V) der abbaufähigen Substanz in Mengeneinheiten (ME). Anschaffungskosten abzüglich Resterlös für das abgebaute Grundstück sind durch das Abbauvolumen zu teilen und ergeben die A. pro ME abgebauter Substanz (vgl. „Abschreibung – Tabelle 6“). Die jährliche A. ist das Produkt aus abgebauter Substanz und A. pro ME.
Abschreibungszeitpunkt: Die steuerlichen Regelungen zum Absetzungszeitpunkt gelten auch handelsrechtlich.
V. Buchung:1. Grundsätzlich werden entsprechend dem Prinzip der Einzelbewertung Einzelabschreibungen vorgenommen, jedoch sind in bestimmten Fällen auch Sammelabschreibungen ( Pauschalabschreibung) möglich.
- 2. Weitere Unterscheidung: a) Direkte A.: Die A. wird in der Buchhaltung durch direktes Absetzen bei den Vermögenskonten vorgenommen (Buchungssatz: Abschreibungen an Vermögenskonto).
- b) Indirekte A.: Die A. wird auf einem Passivkonto  Wertberichtigungen (Erneuerungskonto) gesammelt (Buchungssatz: Abschreibungen an Wertberichtigungen auf Anlagen). Bei diesem Verfahren stimmen die Bilanzwerte auf dem Anlagekonto mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten überein. Aus der Gegenüberstellung von Anlagekonto und Wertberichtigungskonto lassen sich Rückschlüsse auf das technische Alter der maschinellen Anlagen des Betriebes ziehen. Für Kapitalgesellschaften ist nach den Gliederungsvorschriften des HGB nur der direkte Ausweis von A. vorgesehen.
- Durch das  Anlagengitter werden allerdings die der indirekten A. entsprechenden Informationen ausgewiesen.
- 3. Ausweis: a) Bei Anwendung des Gesamtkostenverfahrens in der Gewinn- und Verlustrechnung einer Kapitalgesellschaft ist gemäß § 275 II HGB ein differenzierter Ausweis vorgeschrieben: (1) Planmäßige und außerplanmäßige A. auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens (immaterielle Wirtschaftsgüter) und Sachanlagen unter Position Nr. 7a (§ 275 II HGB); (2) A. auf  Finanzanlagen und Wertpapiere des  Umlaufvermögens unter Position Nr. 12; (3) A. auf Umlaufvermögensgegenstände, soweit diese die üblichen A. überschreiten, unter Position Nr. 7b; (4) die üblichen A. (Kriterien für die Unterscheidung der Üblichkeit von der Unüblichkeit von A. sind sowohl aus innerbetrieblichem Zeitvergleich als auch aus zwischenbetrieblichem Branchenvergleich zu gewinnen) sind je nach Sachbezug unter Bestandsminderungen (Position Nr. 2), Materialaufwand (Position Nr. 5a) oder sonstige betriebliche Aufwendungen (Position Nr. 8) auszuweisen.
- b) Bei Anwendung des Umsatzkostenverfahrens werden die A. auf Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens gesondert (Nr. 11, § 275 III HGB), die übrigen planmäßigen und außerplanmäßigen A. je nach Sachbezug unter Herstellungskosten (Nr. 2), Vertriebskosten (Nr. 4), allgemeine Verwaltungskosten (Nr. 5), sonstige betriebliche Aufwendungen (Nr. 7) oder als außerordentliche Aufwendungen (Nr. 15) ausgewiesen.
- c) Sonstige Vorschriften: (1) Soweit es sich um außerplanmäßige A. handelt, sind diese im Rahmen von § 277 III HGB gesondert auszuweisen oder im Anhang anzugeben.
- (2) A. sind Bestandteil des Anlagengitters.
- (3) Im Anhang sind die nach steuerrechtlichen Vorschriften im Anlage- und Umlaufvermögen vorgenommenen Abschreibungen anzugeben und zu begründen (§ 281 II HGB).
VI. Bedeutung:1. Bilanzpolitik: A. mindern als Aufwand den in der Handelsbilanz und als „Betriebsausgabe“ den in der Steuerbilanz ausgewiesenen Gewinn, der wiederum für Ausschüttungen und Steuerzahlungen, also Mittelabflüsse aus dem Unternehmen, i.d.R. maßgeblich ist. Allein durch die Wahl der A.-Methode, d.h. die Entscheidung über den „A.-Verlauf“ (Entwertungsverlauf), und die Schätzung der betrieblichen Nutzungsdauer lässt sich der auszuweisende Periodengewinn erheblich beeinflussen, womit für den Bilanzierenden ein beachtlicher Bewertungsspielraum eingeräumt wird. Diese Möglichkeiten der „Manipulation“ hinsichtlich des Gewinnausweises und damit der  Bilanzpolitik im Sinn einer Publizitätspolitik (gewollte Außendarstellung der Lage des Unternehmens bzw. gezielte Beeinflussung der Adressaten des Jahresabschlusses) der Unternehmen werden durch die evtl. Inanspruchnahme der meist wirtschaftspolitisch motivierten (steuerlichen) Sonderabschreibungen noch verstärkt. Durch diesen legalen bilanzpolitischen Entscheidungsspielraum besitzt ein Unternehmen nicht nur die Möglichkeit,  stille Rücklagen (stille Reserven) zu bilden, sondern auch außen stehenden Dritten den Einblick in die Vermögens-, Finanz- bzw. Ertragslage zu erschweren bzw. die wirtschaftlichen Verhältnisse zu retuschieren. Dieser Entscheidungsspielraum wird jedoch durch den Grundsatz der Stetigkeit eingeschränkt, wonach eine einmal gewählte Bewertungsmethode beibehalten werden muss. Abweichungen sind nur in Ausnahmefällen erlaubt; dabei müssen Kapitalgesellschaften diese Abweichungen im  Anhang angeben und begründen. Liegt der verrechnete Abschreibungsbetrag über dem tatsächlichen Werteverzehr, dann wird tendenziell ein Beitrag zur  substanziellen Kapitalerhaltung geleistet, da sowohl im Handels- als auch im Steuerrecht das Nominalwertprinzip Anwendung findet und somit nicht (wie in der Kostenrechnung) die Wiederbeschaffungskosten, sondern die historischen Anschaffungs- oder Herstellungskosten die Bemessungsgrundlage bilden.
- Vgl. auch  Bilanzpolitik.
- 2. Finanzierung: Die über den Umsatzprozess dem Unternehmen wieder zufließenden A. („verdiente A.“) sind ein wesentlicher Bestandteil der Innenfinanzierung  (Cashflow) des Unternehmens.
- 3. Weitere Auswirkungen: Zinsgewinn aufgrund eines zinslosen „Steuerkredits“, ggf. Steuerersparnis wegen Steuerprogression, Ausschüttungssperre, Kapazitätserweiterung ( Lohmann-Ruchti-Effekt).

Lexikon der Economics. 2013.

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